Solinger Morgenpost

09.06.06

Eltern stehen auf

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Eltern stehen auf

Der politische Streit um die Zukunft der Grundschulen Burg und Schützenstraße spitzt sich zu. Die Forderung wird immer lauter, Eltern, Schüler und Lehrer durch die Schließungsdiskussion nicht zu verunsichern. Argumente im Überblick.

VON GÜNTER TEWES

Eltern Wolfgang Sinkwitz, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft, ist fassungslos. "Eltern werden übergangen", sagt er, falls die Grundschule Schützenstraße geschlossen würde. "Eine beabsichtigte Schulschließung ´Schulverbund´ zu nennen, ist der tiefe Griff in die politische Trickkiste." Nach seinen Worten wurde bisher mit keiner Silbe über eine beabsichtigte Schließung der Schützenstraße gesprochen: Eltern wurde noch im Januar vergewissert, daß keine weitere Schließung anstehe. "Das wäre ein klarer Vertrauensbruch, den Politik mit Eltern vollzieht." Sinkwitz weiter: "Ein Schlag ins Gesicht aktueller Elternarbeit in Solingen, das lassen wir nicht mit uns machen."
SPD "Jetzt müssen ein paar klare Worte gesprochen werden. Es muss Schulfrieden herrschen", pocht Ernst Lauterjung auf den Tisch. Der SPD-Fraktionsvorsitzende fordert angesichts der Schließungsdiskussion bei den Grundschulen Sicherheit für Eltern, Schüler und Lehrer. "Es kann nicht sein, dass jeden Tag eine neue Schule durchs Dorf getrieben wird." Dass auf einmal die Grundschule Schützenstraße aus dem Hut gezaubert wird, kommentieren Lauterjung und Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver, SPD- und Schulausschuss-Vorsitzender, mit ungläubigem Kopfschütteln.
"Die Grundschule Schützenstraße muss erhalten bleiben, sonst machen wir alles kaputt - auch das Vertrauen der Eltern, Schüler und

Lehrer", zurren sie die Position ihrer Partei fest. Die Grundschule Schützenstraße habe nie zur Disposition gestanden.
Für Burg fordern Lauterjung und Müller-Stöver zwingend ein Grundschulangebot. Das sehen sie allerdings nicht im bisherigen Gebäude an der Hasencleverstraße. Es müsse geschlossen werden. Position der SPD: die ersten und zweiten Schulklassen mit dem Burger Kindergarten in einem Haus des Lernens zusammen zu fassen; die Dritt- und Viertklässler aus Burg werden an der Schützenstraße unterrichtet.
BFS Klasse 1 und 2 bleibt in Burg, Dritt- und Viertklässler fahren zur Schützenstraße - auch Gudrun Wüsthof steht "100-prozentig" hinter diesem Kurs. Die Bildungspolitikerin ist empört über den Wankelmut bei CDU und FDP: "Wir sind auf jeden Fall für den Erhalt der Schützenstraße."
FDP/CDU "Uns liegt sehr viel an einem vollwertigen Schulstandort in Burg, nicht nur ein Rumpfstandort mit der ersten und zweiten Klasse." Für Bildungspolitikerin Gabi Reimers hat der Schulstandort Burg Bestandsschutz. Auf diese Position haben sich die Liberalen gemeinsam mit der CDU geeinigt. Ob nur die ersten beiden oder alle vier Grundschulklassen dort unterrichtet werden, ob dies an der Hasencleverstraße oder im Kindergartengebäude sinnvoll wäre - all das soll die Verwaltung bis zum September prüfen. Dabei soll auch die Situation für die

Schützenstraße geprüft werden, falls die Grundschulbezirke tatsächlich wegfallen. CDU und FDP wollen einen Verbund zwischen Burg, Schützenstraße und Böckerhof. CDU-Bildungspolitikerin Nicole Molinari: "Es heißt nicht, dass die Schützenstraße geschlossen wird." Die Verwaltung müsse aber die Möglichkeiten dieser Grundschule innerhalb des Dreierverbundes darlegen. Vor der Anmeldung der künftigen i-Dötzchen im Herbst wollen CDU und FDP dies politisch entscheiden: "Eltern müssen wissen, was passiert." Reimers (FDP): "Unser Wunsch ist, den Standort Schützenstraße zu erhalten, das Montessori-Angebot möglichst zu erweitern."
Grüne Almut Marczinski fordert eine seriöse fachliche Debatte: "Das ist ein unsäglicher Zustand. Wir wenden uns entschieden gegen eine Schließung der Grundschule Schützenstraße."

INFO

Wann entschieden wird

Das letzte Wort in der Grundschulschließungsdiskussion im Zusammenhang mit dem neuen Schulentwicklungsplan hat der Stadtrat. Am 22. Juni ist die nächste Sitzung, einen Tag vorher, 21. Juni, tagt der Schulausschuss.


Standort Burg erhalten

(aki) Die Bezirksvertretung Burg/Höhscheid sprach sich in ihrer gestrigen Sitzung mehrheitlich dafür aus, den Schulstandort Burg zu erhalten. Dabei soll nach einem Antrag der CDU, der die Mehrheit fand, auch geprüft werden, ob das Schulgebäude in Burg erhalten werden kann. Die SPD hatte vorgeschlagen, das Gebäude aufzugeben, denn schließlich müsse gespart werden. Nach dem Willen der Bezirksvertreter sollen die beiden

ersten Grundschulklassen in Burg bleiben, während die Klassen 3 und 4 der Grundschule Schützenstraße zugeschlagen werden sollen. Langfristig könnte es einen Schulverbund von Burg, Schützenstraße und Böckerhof geben. Die Grundschule Burg soll künftig mit der örtlichen Kindertagesstätte kooperieren. Wird das Schulgebäude aufgegeben, findet der Unterricht der ersten beiden Klassen künftig in der Kindertagesstätte statt.

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