Solinger Morgenpost

18.04.07

Schulweg entscheidet

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Schulweg entscheidet

Fallen die Grundschulbezirke, werden die Karten bei der Anmeldung neu gemischt.

 

 

 

 

VON GÜNTER TEWES


Eigentlich haben die Grundschulkinder aus dem Bereich Pfaffenberger Weg, Hästen und Balkhausen einen zu weiten Schulweg. Sie gehören in den Anmeldebezirk der Grundschule Schützenstraße. Näher läge den Mädchen und Jungen aber die Grundschule Böckerhof. Dies könnte im nächsten Jahr entscheidend werden, wenn die Anmeldebezirke für die Grundschulen fallen. Eltern dürfen dann zwar wählen, doch jedes Kind hat einen Anspruch auf Aufnahme in der nächstgelegenen Grundschule.


"Es wird an der einen oder anderen Stelle Verschiebungen geben", berichtet Udo Depping, Leiter des Stadtdienstes Schulen, auf Anfrage unserer Zeitung. Denn die 27 Jahre alten Grundschulbezirke sind nicht ausschließlich nach der Kürze des Schulweges gezogen worden. Kriterium war damals auch die Wohnbebauung in der Nachbarschaft und damit die möglichst gleichmäßige Auslastung der Grundschulen.

"Brauchen Planungssicherheit"


Die Schulverwaltung arbeitet jetzt an einem Konzept, um die nächstgelegene Schule als eine Art Planungsgröße für die i-Dötzchen im nächsten Jahr zu ermitteln. Diese soll rechtzeitig vor den Grundschulanmeldungen im Herbst vorliegen. Der Entwurf der Kapazitätsobergrenzen für die Grundschulen liegt aber bereits in der nächsten Sitzung des Schulausschusses sowie in den Bezirksvertretungen auf dem Tisch. Den Anmeldewünschen von weiter entfernt wohnenden Eltern werden damit Grenzen gesetzt. Dies hatte der Schulausschuss so mehrheitlich beschlossen. "Wir brauchen diese Planungssicherheit." Nach den Worten von SPD-Schulpolitikerin Ulla Feldhaus ist die Festlegung der Höchst-Schülerzahl einer Grundschule ein notwendiges Instrument, damit eine

 

 

INFO

Schulbezirksgrenzen

Wenn zum 1. August 2008 die Schulbezirksgrenzen aufgehoben werden, können Eltern frei entscheiden, an welcher Grundschule sie ihr Kind anmelden wollen. Aber: Die können nur so viele Kinder annehmen, wie ihre Kapazität es erlaubt. Jedes Kind hat einen Anspruch auf Aufnahme in die nächstgelegene Grundschule.

 

Grundschule nicht ausblute, während eine andere immer weiter boome. CDU-Schulpolitikerin Nicole Molinari sieht das ähnlich. Es könne nicht sein, dass eine besonders beliebte Grundschule ausgebaut und die nächste geschlossen werden müsse. Kritik an den Kapazitätsobergrenzen ist dagegen von Gabriele Reimers (FDP) gekommen: Das sei planwirtschaftlich.

 

Wolfgang Sinkwitz, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft, begrüßt jedenfalls den Wegfall der Grundschulbezirke. Eltern wünschten die Wahlmöglichkeit. Sinkwitz fordert aber, die Befürchtungen sehr ernst zu nehmen, dass Schulen in der Nachbarschaft von sozialen Brennpunkten ins Hintertreffen geraten könnten. Er glaubt jedoch nicht, dass es zu Ghettoschulen kommen wird. Seine Forderung: „Schulen mit problematischem Klientel müssen individuell gefördert werden, zum Beispiel durch kleinere Klassen.“

 

Für Sinkwitz bedeutet der Wegfall der Grundschul-Anmeldebezirke auch ein Stück Ehrlichkeit: Versteckt laufe das heute schon so. Denn dann wird die Oma oder die Tagesmutter ins Spiel gebracht, die das Kind nach dem Unterricht betreut und zufälligerweise in der Nähe der Wunsch-Grundschule wohnt.

 

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