|
VON GÜNTER TEWES
Eigentlich haben die Grundschulkinder
aus dem Bereich Pfaffenberger Weg, Hästen und
Balkhausen einen zu weiten Schulweg. Sie gehören in den Anmeldebezirk der
Grundschule Schützenstraße. Näher läge den Mädchen und Jungen aber die
Grundschule Böckerhof. Dies könnte im nächsten Jahr entscheidend werden,
wenn die Anmeldebezirke für die Grundschulen fallen. Eltern dürfen dann
zwar wählen, doch jedes Kind hat einen Anspruch auf Aufnahme in der
nächstgelegenen Grundschule.
"Es wird an der einen oder anderen Stelle Verschiebungen geben",
berichtet Udo Depping, Leiter des Stadtdienstes Schulen, auf Anfrage
unserer Zeitung. Denn die 27 Jahre alten Grundschulbezirke sind nicht
ausschließlich nach der Kürze des Schulweges gezogen worden. Kriterium war
damals auch die Wohnbebauung in der Nachbarschaft und damit die möglichst
gleichmäßige Auslastung der Grundschulen.
"Brauchen Planungssicherheit"
Die Schulverwaltung arbeitet jetzt an einem Konzept, um die nächstgelegene
Schule als eine Art Planungsgröße für die i-Dötzchen im nächsten Jahr zu
ermitteln. Diese soll rechtzeitig vor den Grundschulanmeldungen im Herbst
vorliegen. Der Entwurf der Kapazitätsobergrenzen für die Grundschulen liegt
aber bereits in der nächsten Sitzung des Schulausschusses sowie in den Bezirksvertretungen
auf dem Tisch. Den Anmeldewünschen von weiter entfernt wohnenden Eltern
werden damit Grenzen gesetzt. Dies hatte der Schulausschuss so mehrheitlich
beschlossen. "Wir brauchen diese Planungssicherheit." Nach den
Worten von SPD-Schulpolitikerin Ulla Feldhaus ist die Festlegung der
Höchst-Schülerzahl einer Grundschule ein notwendiges Instrument, damit eine
|
|
|
INFO
Schulbezirksgrenzen
Wenn zum 1. August 2008 die Schulbezirksgrenzen
aufgehoben werden, können Eltern frei entscheiden, an welcher Grundschule
sie ihr Kind anmelden wollen. Aber: Die können nur so viele Kinder
annehmen, wie ihre Kapazität es erlaubt. Jedes Kind hat einen Anspruch
auf Aufnahme in die nächstgelegene Grundschule.
|
Grundschule nicht ausblute, während eine andere
immer weiter boome. CDU-Schulpolitikerin Nicole Molinari sieht das ähnlich.
Es könne nicht sein, dass eine besonders beliebte Grundschule ausgebaut und
die nächste geschlossen werden müsse. Kritik an den Kapazitätsobergrenzen
ist dagegen von Gabriele Reimers (FDP) gekommen: Das sei
planwirtschaftlich.
Wolfgang Sinkwitz, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft, begrüßt
jedenfalls den Wegfall der Grundschulbezirke. Eltern wünschten die Wahlmöglichkeit.
Sinkwitz fordert aber, die Befürchtungen sehr ernst zu nehmen, dass Schulen
in der Nachbarschaft von sozialen Brennpunkten ins Hintertreffen geraten
könnten. Er glaubt jedoch nicht, dass es zu Ghettoschulen kommen wird. Seine
Forderung: „Schulen mit problematischem Klientel müssen individuell
gefördert werden, zum Beispiel durch kleinere Klassen.“
Für Sinkwitz bedeutet der Wegfall der Grundschul-Anmeldebezirke
auch ein Stück Ehrlichkeit: Versteckt laufe das heute schon so. Denn dann
wird die Oma oder die Tagesmutter ins Spiel gebracht, die das Kind nach dem
Unterricht betreut und zufälligerweise in der Nähe der Wunsch-Grundschule
wohnt.
KOMMENTAR
|