VON BETTINA VOLLMER Von Erziehungsnotstand wollten die meisten Podiumsteilnehmer in der
Geschwister-Scholl-Schule nicht sprechen. Wohl aber konstatierten sie bei der ersten Solinger
Station auf dem Weg zum Evangelischen Kirchentag in Köln,dass in Bezug auf die Zukunft der Kinder
"irgend etwas schief zu laufen scheint." Erziehung ist schwieriger geworden, stellten sie fest.
Doris Sandbrink, Vorsitzende der Evangelischen Aktionsgemeinschaft für Familienfragen, verdeutlichte den für alle Eltern spürbaren Spannungsbogen, in dem sie heute ihre Kinder fit fürs Leben machen
müssen: "Als ich 1982 mein erstes Kind erwartete, gab es eine ganze Reihe von Ratgeberbüchern, die
man gelesen haben musste. Das war damals neu."
Heute gebe es XXL-Gruppen, nicht für übergewichtige Kinder, sondern "für Mütter, die es tatsächlich nicht schaffen,
ihr Kind auch nur eine Stunde in der Obhut anderer zu lassen". Der andere Pol der Erziehungsrealität hat Namen wie Kevin: Kinder, die
der Vernachlässigung und Gewalt durch ihre Eltern zum Opfer gefallen sind. Man müsse die Eltern stärken und die Bedingungen
in den Blick nehmen "unter denen sie heute ihren Job machen", forderte Gabriele Huth-Schneider,
Erziehungsberaterin beim Diakonischen Werk.
Wertschätzung erfahren
Arbeitslosigkeit, die Ansprüche der Leistungs- und
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Werbegesellschaft, elektronische Unterhaltung und Kommunikation
sind die bekannten Schlagwörter. "Eltern, die zu uns kommen, erfahren bei uns oft zum ersten Mal Wertschätzung
für das, was sie auch gut machen." Die jungen Mütter seien nicht nur verunsichert, sondern hätten
auch nie gelernt, "wie sie sich selbst gut versorgen können - wichtigste Voraussetzung, um ein Kind gut zu versorgen und zu
erziehen.
Wolfgang Sinkwitz, Vorsitzender der Stadtschul-pflegschaft, wünschte sich für Eltern mehr Orientierung und Selbstbewusstsein
für eine engagierte und liebevolle Wertediskussion mit ihren Kindern. "Erziehungspartnerschaften" will die
Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule, Ingeborg Friege, den Eltern anbieten, dabei hat sie besonders auch
Migranten im Blick. Vieles davon setzt sie in ihrer Schule bereits um. Da geht es um Wertediskussion auf gleicher
Augenhöhe, aber auch um ebenso selbstverständlich wie handfeste Unterstützung in alltäglichen Dingen.
"Wir sind auf dem richtigen Weg", befand Sandbrink mit Blick auf die Familienzentren, in den Familien von
Kindergartenkindern Unterstützung und Informationen erhalten können. "Aber eine erfolgreiche Bildungs- und
Familienpolitik kostet Geld." Wenn Ministerpräsident Jürgen Rüttgers NRW zum familienfreundlichsten Land
machen wolle, dürfe er nicht zugleich die Kindergartenbeiträge erhöhen und die Gelder in der Kinder- und
Jugendhilfe kürzen, unterstrich sie.
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