Solinger Morgenpost

22.01.07

Zukunft Kinder

als Bild

Zukunft Kinder

VON BETTINA VOLLMER
Von Erziehungsnotstand wollten die meisten Podiumsteilnehmer in der Geschwister-Scholl-Schule nicht sprechen. Wohl aber konstatierten sie bei der ersten Solinger Station auf dem Weg zum Evangelischen Kirchentag in Köln,dass in Bezug auf die Zukunft der Kinder "irgend etwas schief zu laufen scheint." Erziehung ist schwieriger geworden, stellten sie fest. Doris Sandbrink, Vorsitzende der Evangelischen Aktionsgemeinschaft für Familienfragen, verdeutlichte den für alle Eltern spürbaren Spannungsbogen, in dem sie heute ihre Kinder fit fürs Leben machen müssen: "Als ich 1982 mein erstes Kind erwartete, gab es eine ganze Reihe von Ratgeberbüchern, die man gelesen haben musste. Das war damals neu."

Heute gebe es XXL-Gruppen, nicht für übergewichtige Kinder, sondern "für Mütter, die es tatsächlich nicht schaffen, ihr Kind auch nur eine Stunde in der Obhut anderer zu lassen". Der andere Pol der Erziehungsrealität hat Namen wie Kevin: Kinder, die der Vernachlässigung und Gewalt durch ihre Eltern zum Opfer gefallen sind. Man müsse die Eltern stärken und die Bedingungen in den Blick nehmen "unter denen sie heute ihren Job machen", forderte Gabriele Huth-Schneider, Erziehungsberaterin beim Diakonischen Werk.

Wertschätzung erfahren

Arbeitslosigkeit, die Ansprüche der Leistungs- und

Werbegesellschaft, elektronische Unterhaltung und Kommunikation sind die bekannten Schlagwörter. "Eltern, die zu uns kommen, erfahren bei uns oft zum ersten Mal Wertschätzung für das, was sie auch gut machen." Die jungen Mütter seien nicht nur verunsichert, sondern hätten auch nie gelernt, "wie sie sich selbst gut versorgen können - wichtigste Voraussetzung, um ein Kind gut zu versorgen und zu erziehen.

Wolfgang Sinkwitz, Vorsitzender der Stadtschul-pflegschaft, wünschte sich für Eltern mehr Orientierung und Selbstbewusstsein für eine engagierte und liebevolle Wertediskussion mit ihren Kindern. "Erziehungspartnerschaften" will die Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule, Ingeborg Friege, den Eltern anbieten, dabei hat sie besonders auch Migranten im Blick. Vieles davon setzt sie in ihrer Schule bereits um. Da geht es um Wertediskussion auf gleicher Augenhöhe, aber auch um ebenso selbstverständlich wie handfeste Unterstützung in alltäglichen Dingen.

"Wir sind auf dem richtigen Weg", befand Sandbrink mit Blick auf die Familienzentren, in den Familien von Kindergartenkindern Unterstützung und Informationen erhalten können. "Aber eine erfolgreiche Bildungs- und Familienpolitik kostet Geld." Wenn Ministerpräsident Jürgen Rüttgers NRW zum familienfreundlichsten Land machen wolle, dürfe er nicht zugleich die Kindergartenbeiträge erhöhen und die Gelder in der Kinder- und Jugendhilfe kürzen, unterstrich sie.

Übersicht Presse