Solinger Morgenpost

24.08.06

Keine pädagogischen Experimente

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Keine pädagogischen Experimente

INTERVIEW » Politiker streiten um die Zukunft der Grundschule Burg. Wolfgang Sinkwitz, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft, würde sein Kind aber nicht in einer Grundschule anmelden, in der Erst- und Zweitklässler unter dem Dach des Kindergartens unterrichtet werden.

Würden Sie Ihr Kind an der Grundschule Burg anmelden, falls die Schüler in den Klassen 1 und 2 mit Kindergartenkindern unter einem Dach unterrichtet werden?

Sinkwitz Nein! Dort würde mein Kind nicht genug lernen. Mit dem Begriff gemeinsames "Haus des Lernens" wird suggeriert, dass eine optimale Lernumgebung geschaffen wird. Das stimmt aber nicht.

Was hören Sie von Eltern?

Sinkwitz Das gleiche! Eltern wollen ihre Grundschulkinder in den ersten beiden Klassen nicht mit Kindergartenkindern unterrichtet wissen, egal wie gut dort unterrichtet werden wird.

Warum?

Sinkwitz Weil sie Angst haben, dass ihre Kinder nicht genug lernen. Wenn Erst- und Zweitklässler mit Kindergartenkindern zusammen in einem Gebäude sind, geht der Blick automatisch in Richtung der Kleinen. Die Grundschüler erleben nicht, sich mit den Dritt- und Viertklässlern auseinander zu setzen, sich an ihnen zu orientieren. Eine Identifikation mit den Großen wird es nicht geben, gemeinsame Unterrichtsprojekte mit ihnen auch nicht.

Was halten Sie davon, wenn die Burger Grundschüler ab der dritten Klasse zur Grundschule Schützenstraße wechseln?

Sinkwitz Erste und zweite Klasse in Burg, drittes und viertes Schuljahr auf der Krahenhöhe - diese vage Konstruktion ist mit großer Vorsicht zu genießen. Es geht hier weniger um pädagogischen Sachverstand, sondern nur um den städtischen Spareffekt, weil ein Schulgebäude nicht mehr finanziert werden kann. Eltern wollen aber keine pädagogischen Experimente. Sie wollen, dass ihre Kinder etwas lernen.

Der Stadtrat hat doch erst vor den Sommerferien das Burger Sondermodell mit der gesplitteten Grundschulzeit beschlossen. Doch jetzt will die CDU plötzlich noch einmal neu diskutieren, und die FDP lehnt das Burger Experiment sowieso ab.

Sinkwitz Die Politik sollte aufhören, laufend eine neue Sau durchs Dorf zu treiben. Die Parteien, egal welcher Couleur, sollten die Finger von der Grundschule Burg lassen. Sie muss vollständig erhalten bleiben - vom ersten bis zum vierten Schuljahr.

Was halten Sie eigentlich von Schulverbünden - auch eine Modeerscheinung der heutigen Zeit?

Sinkwitz Das kann gut funktionieren. Aber nicht, indem die Schulen als Sparmaßnahme untereinander aufgeteilt werden.

Was erwarten Mütter und Väter von der Schulpolitik?

Sinkwitz Fairness. Doch die erleben wir nicht. Wir erleben ein Hick-Hack, egal, von welcher Seite. Das verunsichert Eltern. Sie sehen keine Konstanz in der Schulpolitik. Der eine will das Burger Schulgebäude verschenken; andere sagen, "da kommen jetzt die Montessori-Kinder hinein" - woran sollen sich Eltern noch halten?

Welche Grundschule wünschen Sie sich für den kleinen Sohn oder die kleine Tocher?

Sinkwitz Eltern erwarten, dass ihr Kind vernünftig vorbereitet wird für den späteren Schulweg. Dazu gehören kleinere Klassen, motivierte und engagierte Lehrer, individuelle Förderung der Schüler, enger Kontakt der Lehrer zu den Eltern und ein Qualitätsmanagement. Schule braucht Erfolgskontrolle.
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Das Gespräch führte Günter Tewes

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