Solinger Morgenpost

07.07.2004

Auf dem Weg zum "Turbo-Abi"?

Auf dem Weg
zum "Turbo-Abi"?

VON BASTIAN GLUMM
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern liegt Deutschland gleich in mehrfacher HInsicht im hinteren Mittelfeld. Während in einigen skandinavischen Ländern junge Menschen nach Schulbesuch und Studium bereits im Alter von 22 Jahren ins Berufsleben einsteigen, sind die deutschen Akademiker meist schon an die 28 Jahre alt. Die Schulzeitverkürzung ab 2005 soll diesem Trend entgegen wirken. Auf Einladung der Solinger Stadtschulpflegschaft informierte der Landesvorsitzende des Philologenverbandes NRW, Peter Silbernagel, in der Bibliothek des Schulzentrums Vogelsang über die geplanten Änderungen.

Zweite Frendsprache früher

"Kann man die Menschen nicht früher ins Berufsleben eingliedern? Kann man nicht ökonomischer mit Bildungszeit umgehen? Diese Fragen sind durchaus berechtigt", machte Silbernagel deutlich. Künftig soll es möglich sein, das Regelabitur bereits nach zwölf Jahren Schulzeit zu erwerben. Als Ausgleich dazu soll auch am Nachmittag unterrichtet werden. Außerdem wird erwogen, die Schulen auch samstags wieder zu öffnen. "Es gibt sicherlich

volkswirtschaftliche Zwänge, die aber pädagogisch vertretbar sein müssen", betonte der Gymnasiallehrer aus Eschweiler.

Dass ein solches Konzept klug durchdacht werden muss, war auch den rund 20 Zuhörern klar. "Es kann nicht in acht Jahren das im Gymnasium unterrichtet werden, was sonst in neun Jahren gelehrt wurde", erklärte Silbernagel. Deshalb müssen die Lehrpläne gestrafft werden. Silbernagel: "Es ist ebenfalls geplant, die zweite Fremdsprache schon ab der sechsten Klasse einzuführen, da der Englischunterricht bereits in der Grundschule beginnen soll." Eltern äußerten bereits Sorgen, dass die Lerninhalte des Gymnasiums nun unverhältnismäßig schwieriger werden könnten.

Ebenso kritisch betrachten Lehrer die Regelung zum "Turbo-Abi". "Wir erwarten natürlich, dass auch an den Gymnasien umfangreiche Fördermöglichkeiten gegeben sein werden", sagte Silbernagel. Bereits in Klasse zehn sollen gymnasiale Inhalte und Methoden vermittelt werden, um einen Teil der Zeitreduktion aufzufangen. Der Rückgang der Schülerzahlen in den kommenden Jahren könne sich positiv auf die Schulzeitverkürzung auswirken: "Ich glaube, dass kleinere Klassen qualitativ etwas bringen."

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