Solinger Morgenpost

08.06.00

1000 Eltern fordern vierte Gesamtschule

Unterschriftenaktion von GEW und Stadtschulpflegschaft

1000 Eltern fordern vierte Gesamtschule

Von GÜNTHER TEWES

Gut 1000 Unterschriften von Eltern und zusätzlich zirka 120 von Lehrern für die vierte Gesamtschule gehen kommende Woche an Franz Haug. Termin der Aktion von Stadtschulpflegschaft und Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: Mittwoch, 9 Uhr, in des Oberbürgermeisters Amtszimmer im Rathaus. "Ein deutliches Zeichen, dass Eltern unzufrieden sind, wie ihre Kinder in Solingen schulisch versorgt werden, und ein klares Votum für die vierte Gesamtschule", wertete Michael Seiffert, Sprecher der Lehrergewerksehaft, das Ergebnis. Über zwei Monate sind in allen Schulen Unterschriften gesammelt worden.

"Wir haben seit April dieses Jahres eine Unterschriftenaktion für den zügigen Bau einer vierten Gesamtschule durchgeführt, nachdem Jahr für Jahr viele Schüler an den Gesamt schulen abgelehnt wurden, in diesem Jahr 178 Schüler", begründete Wolfgang Sinkwitz, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft den Schritt. Auch er sieht in der Resonanz ein "deutliches Signal, dass weiterer Schulraum in der Gesamtschule geschaffen werden muss".

49 Schulen, 1000 Unterschriften

Noch im Februar hatten Lehrergewerkschaft GEW und Stadtschulpflegschaft die Aktion angekündigt. In allen 49 Solinger Schulen sollten Unterschriften gesammelt werden. Gut 1000 Eltern und rund 120 Lehrer haben schließlich unterschrieben. Ein mageres Ergebnis? Michael Seiffert und Wolfgang Sinkwitz wollen das nicht gelten lassen. Allerdings räumte der Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft gestern gegenüber der MORGENPOST ein: "Wir haben eigentlich mit mehr Unterschriften gerechnet." Gegen die Schließung des Hallenbades Birkerstraße seien immerhin 6200 Unterschriften zusammen gekommen.
"Wir müssen mehr Schulraum schaffen und jetzt handeln", forderte Sinkwitz. Angesichts steigender Schülerzahlen würden die Erweiterungen derzeit am Gymnasium Schwertstraße, am Humboldtgymnasium und an der Theoder-Heuss-Realschule nicht

ausreichen. Seit Jahren bestehe ein klarer Elternwille nach einer vierten Gesamtschule.
"Nicht mehr weiter hinnehmbar im Lehrer kollegium" sind nach den Worten von Eckehard Vogt, GEW- Vorsitzender, Klassen größen von teilweise bis zu 35 Schülern, eine Überschreitung der vorgegebenen Richtwerte um zirka 25 Prozent. "Alleine durch Lenkungs maßnahmen die Schülerströme zu entzerren, kann das Problem bis zum Jahre 2008 nicht lösen", mahnte Vogt in einer Presseerklärung vor einem "Desaster". "Unser Argument, dass weiterer Schulraum in Solingen für die nächsten acht Jahre notwendig ist, konnte bisher nicht entkräftet werden." Der GEW-Vorsitzende forderte "endlich konsequentes Handeln", sonst würde sich das Problem, aufs nächste Jahrzehnt gesehen, Jahr für Jahr zu den Anmeldeterminen weiter verschieben.

Vor verschlossenen Türen

Doch schon im nächsten Schuljahr stehen nach seinen Worten Kinder vor verschlossenen Türen; und zwar Schulformwechsler, vor allem nach der Erprobungsstufe Klasse 6. "Zirka zwei Klassen müssen im Sommer von den Gymnasien oder Realschulen zu den Hauptschulen, mehr als zwei Klassen allein von den Gymnasien zu den Realschulen wechseln." Doch gerade an den Realschulen seien keine Klassenräume mehr übrig.

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