Solinger Morgenpost

15.10.03

Spezielle Förderung auch am Nachmittag

Talk am Mühlenplatz: Experten diskutierten über offene Ganztagsschulen

Spezielle Förderung auch am Nachmittag

Von BASTIAN GLUMM
Bevor es Sylvia Löhrmann in die Landespolitik verschlug, war sie als Lehrerin an der Gesamtschule Wupperstraße beschäftigt. Dort machte sie vor rund zehn Jahren die ersten Erfahrungen mit Ganztagsschul-angeboten: "Ich habe es sehr geschätzt, dass man über den ganzen Tag und die Unterrichtszeiten hinaus den Kindern eine Betreuung anbieten kann", sagte die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Düsseldorfer Landtag.
Im gut gefüllten Forum der Volkshochschule konnte Moderator Wolfgang Schreiber rund 80 Besucher zum "Talk am MÜhlenplatz" begrüßen. Außer Sylvia Löhrmann erörterten der Schulleiter der Grundschule Meigen, Wolfgang Schmitz, der Stadtschulpflegschaftsvorsitzende Wolfgang Sinkwitz und Michael Seiffert von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft Möglichkeiten und Probleme des offenen Ganztagsschulsystems.


"Dass wir jetzt nachmittags sportliche und musische Aktivitäten anbieten können, ist schon eine positive Sache", betonte Wolfgang Schmitz, der seit Anfang dieses Schuljahres die Grundschule leitet. Einen Schwerpunkt möchte man in Meigen auf eine Zusammenarbeit mit der Musikschule "Da Capo" legen, sowie verstärkt sportliche Aktivitäten anbieten. Derzeit wird eine Gruppe im Ganztagssystem betreut. Geplant sind Angebote zur Familienbetreuung, eine Hausaufgabenhilfe und eine verstärkte Einzelförderung. "Ob all das, was jetzt geplant ist, auch umgesetzt werden kann, hängt vollkommen von den Finanzen ab", machte Schmitz deutlich.
Neue Belastung für Eltern
"Natürlich müssen wir als Gewerkschaft Arbeitnehmerinteressen vertreten, haben aber

auch immer den Blick auf die Schule an sich gerichtet", verdeutlichte Michael Seiffert. Er erwartet eine positive Entwicklung der Nachmittagsbetreuung und sieht auch vorteilhafte pädagogische Effekte. "Wir schauen sicher alle ganz gespannt nach Klauberg und Meigen", sagte Seiffert.
Grund zur Kritik sah Wolfgang Sinkwitz: "Da kommt wieder was Neues auf die Eltern zu, war mein erster Gedanke." Monatliche Elternbeiträge scheinen unerlässlich zu sein, außerdem scheuen Eltern davor zurück, ihre Sprösslinge auch nachmittags in der Schule zu belassen: "Es wurde mit der Angst begründet: ´Die nehmen uns jetzt unsere Kinder weg´", berichtete Sinkwitz. Tatsächlich sollen die offenen Ganztagsschulen ein Angebot auf freiwilliger Basis sein. Dennoch erkannte auch er positive Aspekte dieser Unterrichtsform und forderte dazu noch eine spezielle Begabtenförderung.

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