|
VON GÜNTER TEWES
Michael Seiffert hat das Ergebnis der Pisa-Studie erwartet, doch die Brisanz hat ihn noch einmal aufs Neue erschreckt. "Das darf nicht sein", sagt der Sprecher der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), dass Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern bei gleicher Begabung deutlich schlechtere Chancen haben, einen höheren Schulabschluss zu erreichen. Betroffenheit hat das Pisa-Ergebnis bei Seiffert im Kollegium ausgelöst. Es geht um das eigene Berufsbild. Lehrer zeigen viel Engagement, gleichzeitig sind den Pädagogen aber die Hänbde gebunden, weil die Klassen so groiß sind, zusätzliche Lehrer nicht eingestellt werden, um kleine Födergruppen einzurichten. "Und durch die Pisa-Studie bekommen wir jetzt wieder den Vorwurf."
Dabei könbnte man nach seinen Worten auch in Solingen konkret etwas tun. Die Bildungskonferenz hat ein Sprachförderprogramm erarbeitet, das bei Vierjährigen im Kindergarten ansetzt. "Es ist rundum abgestimmt"", betont Seiffert. Doch wegen des nicht eingebrachten städtischen Haushalts liegt es auf Eis.
|
|
Sprache und Lesen ist der Schlüssel zum Verstänndnis - Manfred Sattler, Leiter der Hauptschule Höhscheid, erlebt das im Unterricht immer wieder. An seiner Schule fehlt ein Sozialarbeiter, eine wichtige Schaltstelle zwischen Eltern, Lehrern und Schülern. Seit Jahren weist er bei der Bezirksregierung auf die Notwendigkeit der personellen Verstärkung hin. Weil dem Land das Geld fehlt, ist Sattlers Antrag stets abgewiesen worden.
Dabei ist Geld für Bildung eine Investition in die Zukunft. Klaus Bailly, Rektor des Gymnasiums Vogelsang, verweist auf eine neue Wirtschaftsstudie. Danach bringt jeder Euro, der in die Bildung eines Kindes investiert wird, eine volkswirtschaftliche Rendite von zwölf Prozent. Auch er spürt, dass Kinder von Eltern, die Zuhause vorlesen, besser mitkommen im Unterricht. Schule müsse die Unterschiede in den Elternhäusern aber ausgleichen, formuliert er den Anspruch. "Dazu sind Ressourcen erforderlich." Wolfgang Sinkwitz von der Stadtschulpflegschaft beobachtet, dass die schlechten Ergebnisse der Pisa-Studien Eltern immer ärgerlicher machen. "Sie erwarten, dass endlich etwas passiert."
|
|
|