Solinger Tageblatt

10.05.99

Gefordert: klare Konzepte und mehr Schulklassen


Gefordert: klare Konzepte und mehr Schulklassen

600 Demonstranten traten für verbesserte Bildung und Ausstattung an den Solinger Schulen ein

(bro.) Gegen die Bildungsmißstände an den Schulen speziell in Solingen, aber auch die nicht immer nachvollziehbare Politik des NRW-Schul ministeriums demonstrierten am Samstag etwa 600 Eltern, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler. Uber die große Resonanz waren die Veranstalter, die Stadtschulpflegschaft Solingen sowie die beiden Lehrerverbände GEW und VBE, sehr angetan.
Was die Eltern hinsichtlich der schulischen Belange und der qualifizierten Ausbildung ihrer Kinder bewegt, wurde schon auf dem Demon strationszug vom Rathaus-Parkplatz zum Fronhof deutlich: Die Plakate charaktensierten mit treffenden Sprüchen die wenig intakte Welt der Solinger Schullandschaft. Wolfgang Sinkwitz hielt als Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft einen umfangreichen Forderungskatalog bereit: "Wir Eltern erheben unsere Stimme für eine generelle Verbesserung der Bildung an unseren Schulen."
Das seit dem letzten Herbst geschlossene Klingenbad ruft bei den Eitern nur Pesssimismus hervor. Sie meinen, daß auch im Jahr 2000 noch keine Öffnung der Schwimmhalle erfolge, wenn das Thema von Oberbürgermeister Uibel nicht umgehend zur Chefsache erklart werde. Den ausfallenden Schwimmunterricht für nahezu 130 Schulklassen könne man nicht weiter hinnehmen. Auch der reduzierte Sportunterricht an vielen Schulen bereite Sorgen: Die Stadtschulpflegschaft fordert Politik und Verwaltung auf, umgehend die Rahmenbedingungen zu schaffen, daß der Sport an den Schulen wieder regelmäßig stattfindet, und nicht erst im Jahr 2001, für das zumindest die Halle der Walder Gesamtschule in Aussicht gestellt ist.

Den Rücktritt der
Schulministerin gefordert

Die durch den Schülerberg hervorgerufene Katastrophe habe bisher nur durch einen Kraftakt der weiterführenden Schulen abgewendet werden können. Auch hier wurden klare Konzepte gefordert, zusätzliche Klassenraume, generell kleinere Klassen und die Einstellung zusätzlicher Lehrer. Wolfgang Sinkwitz widersprach damit der Schulministerin Gabriele Behler, die einen Tag zuvor in Solingen gesagt hatte, daß die durchschnittliche Klassenstärke an den Grundschulen 23 und an den Gymnasien 27 Kinder betrage: "Wir müssen feststellen, daß im kommenden Schuljahr alle Eingangsklassen an den Gymnasien bis zum letzten Sitzplatz mit 31 Kindern ausgereizt sind."
Er ging weiter auf den gemeinsamen integrativen Unterricht ein, den es zu verbessern gelte, kritisierte die Stellenstreichungen im Bereich der Schulsekretariate sowie die vom Land geplanten schlechteren Lernbedingungen. "Wir Eltern hegen die berechtigte Befürchtung, daß die zuständigen Stellen nur darauf warten, neue Sparmaßnahmen aus der Schublade zu ziehen."
Norbert Müller, Vorsitzender der GEW Oberhausen und Mitglied im Landesvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, ging vor allem auf die nach seiner Meinung verfehlten Planungen des Schulministeriums ein und forderte sogar den Rücktritt der Ministerin. "Die Lehrerversorgung wurde permanent verschlechtert, und Nord rhein-Westfalen liegt in Deutschland abge schlagen auf dem letzten Platz. Bayerische Grundschüler erhalten 400 Stunden mehr Unterricht als unsere Kinder."

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