Solinger Tageblatt

23.05.97

Zeit nehmen für die Kinder


Zeit nehmen für die Kinder

Gestern abend: Veranstaltung der Schulpflegschaft in der Grundschule Böckerhof. Thema: "Gewalt in der Schule".

Von Susanne Koch

"Haste was, biste was, haste nix, nimmste was, biste auch wer. Kinder, die dauernd unter Druck stehen und Leid erfahren, sind oft aggressiv", betonte Heinz Lanwerd, Schulleiter der Grundschule am Rosenkamp gestern auf der Schulpflegschaftsversammlung zum Thema "Gewalt in der Schule". "Wir müssen den Kindern Zeit widmen, ihnen zuhören, Ihr Selbstbewußtsein stärken und ihnen beibringen, Konflikte anders als mit Gewalt zu lösen."

Kein Patentrezept

Ein Patentrezept hatte allerdings keiner der drei Referenten: Heinz Lanwerd, Lothar Augustin, Kriminalhauptkommissar beim Kommissariat Vorbeugung und Herbert Bühler, Sozialarbeiter und Erziehungswissenschaftler beim Jugendamt. Sie waren von der Schulpflegschaft eingeladen, aus ihrer Praxis und vor allem aus ihrer

unterschiedlichen Sicht- und Herangehens weise zu berichten.
"Der heutige Abend soll eine Pilotfunktion haben, um das Thema dieses Jahr durch die Schul pflegschaft weiter in die öffentliche Diskussion zu tragen", sagte der Vorsitzende Wolfgang Sinkwitz, der auch eine Ausstellung von 33 Karikaturen zu diesem Thema organisiert hat.
"Wo sind die männlichen Vorbilder?" - provozierte Herbert Bühler. "Besonders Jungen werden aggressiv, alleinerziehende Mütter sind mit ihren Söhnen überfordert, in Kindergärten und Grundschulen gibt es kaum Erzieher oder Lehrer. Da bleibt oft nur das Männerbild im Fernsehen." Um dem entgegenzuwirken, veranstaltet das Jugendamt noch dieses Jahr eine Einführung zum Thema "Parteiliche Jungenarbeit".
Den Kindern Mut machen, sich zu wehren, "nein zu sagen", Hilfe zu holen, sich einzumischen will Lothar Augustin. Auch wenn er zusammen nur mit einer Kollegin im Kommissariat Vorbeugung für die Städte Wuppertal, Solingen und Remscheid auf etwas verlorenem Posten steht.

Übersicht Presse