Solinger Tageblatt

28.05.2004

Reul: "Schluss mit Schul-Reformeritis"


Reul: "Schluss mit Schul-Reformeritis"

Hat Rot-Grün die Bildungspolitik gegen die Wand gefahren? CDU veranstaltete Diskussion zum Thema

(pj) Wenn Otto Normalverbraucher sich die Schul-Situation beschaut, sieht er manchmal schwarz. Nicht so CDU-Anhänger - die sehen ausnahmsweise rot. Denn "Mit Rot-Grün vor die bildungspolitische Wand" war das Thema der Unions-Veranstaltung zur Lernmisere Dienstagabend im Gründer- und Technologiezentrum. Moderatorin Gabriele Racka-Watzlaweck agierte auf dem Podium nicht nur als Ratsfrau ihrer Partei, sondern auch in ihrer Eigenschaft als Hauptschullehrerin, die sich von der jetzigen Schulpolitik aus Düsseldorf verraten und verkauft fühlt. "Als Lehrerin juckt es mich, ein paar Worte zu sagen," betonte Racka-Watzlaweck, und nannte die Situation drei Jahre nach PISA eine

schwere Katastrophe. Herbert Reul, Spitzenkandidat für die Europawahl, legte die Unionsstrategie zur Neuordnung der Schullandschaft in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des bildungspolitischen Netzwerkes der NRW-CDU dar: "Wir brauchen mehr Verlässlichkeit und eine Art Bestandsschutz für Lehrer." Es müsse wieder möglich sein, in den Schulen das zu tun, wofür sie da sind: Unterrichten, und zwar ohne "Reformitis" und wöchentlichen Wust aus neuen Verordnungen. In Krisenzeiten, in dennen keine Höhenflüge machbar sind, müsse Schule sich auf das Notwendige beschränken - um wenigstens das leisten zu können. Dem schloss sich Wolfgang Sinkwitz, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft, an.

Er forderte - aus Elternsicht - kleinere Klassen, verpflichtende Sprachkurse für Migranten mit Deutsch-Defiziten, effiziente Klassenführung mit mehr Disziplin und stärkere Einbeziehung der Eltern in die Erziehungsverantwortung. Und wenn die offene Ganztagsschule käme, solle sie bitte nicht nur eine verkappte "Halbtagsschule mit Suppe" sein. Auch Jutta Endrusch, stellverretende Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung NRW fragte sich, was eigentlich seit 2001 passiert sei. "Wie will man den Umbruch an Schulen gestalten, steigenden Anforderungen gerecht werden, wenn die Rahmenbedingungen im Status quo verharren?" Außerdem vertreten war Hauptschullehrerin Susanne Cortinovis.

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