Solinger Tageblatt

10.01.02

Schule mit fünf: Wohin mit all den I-Dötzen?

Schule mit fünf: Wohin mit all den I-Dötzen?

Wenn die Pläne Wolfgang Clements umgesetzt werden, steht Solingen nicht nur räumlich vor Problemen.

(tsch) Wolfgang Clement will hoch hinaus - und dafür das Einschul-Alter nach unten senken. Bereits mit fünf Jahren sollen aus Kindergarten-Kindern I-Dötze werden. So will die Landesregierung das Schulsystem stärken und die Spitzenreiter der Pisa-Hitliste angreifen. Im internationalen Vergleich der Studie schnitten die deutschen Schüler schlecht ab.
Dabei haben Eltern bereits jetzt die Möglichkeit, ihre Kinder mit fünf Jahren einschulen zu lassen. "Bei diesen prüfen wir etwas stärker, ob sie schon schulfähig sind" erklärt Wolfgang Mummert, Leiter der Grundschule Wiener Straße, die Vorgehensweise. Dabei wird besonders das Verständnis von Zahlen und Sprache geprüft, aber auch, ob logische Ketten verstanden werden. Würde die Einschulung von Fünfjährigen verpflichtend, werde die Entscheidung der Schulleiter eingeschränkt und der gesellschaftliche Druck verstärkt, ist er sicher.
Von der frühen Einschulung machen nach seiner Erfahrung auch nur wenig Eltern Gebrauch.
"Eine generelle Umstellung des jetzigen Schulsystems dauert zirka neun Jahre", prophezeit Wolfgang Sinkwitz, Vorsitzender

der Stadtschulpflegschaft. Wichtige Grundlagen für eine Reform müssen früher gelegt werden: Klassenstärken müssen nach unten korrigiert, der Unterrichtsausfall minimiert werden.

Mit einem Schlag
1600 I-Dötze mehr

Auch die Schulverwaltung sieht einer spontanen Umsetzung der Vorstellungen des Ministerpräsidenten mit bangen Gefühlen entgegen. Udo Depping, Leiter der Schulverwaltung, hätte aüf einen Schlag gut 1600 I-Dötze mehr unterzubringen: "Den Raum hätten wir sicher nicht." Umgerechnet wären die Schüler einer kompletten Grundschule zusätzlich mit Lehrern und Klassenraum zu versorgen. "Und das, wo wir jetzt in vielen Grundschulen wieder Klassen nach dem Richtwert mit 24 Schülern bilden können."
Grundsätzlich sieht auch Depping die Notwendigkeit einer groß angelegten Reform. "Schule muss sich wieder auf ihre eigentliche Aufgabe ,Unterricht' konzentrieren können."


 
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