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Von Stefan M. Kob
Sprechen die Solinger Anmeldezahlen bei den Gesamtschulen wirklich eine
so deutliche Sprache, wie es die SPD meint, die sich deshalb den Bau der
Gesamtschule Nr. 4 auf die politischen Fahnen geschrieben hat? Sehr viel
differenzierter äußert sich dazu die Stadtschulpflegschaft.
Was sich viele Eltern nämlich wirklich wünschen, ist nicht unbedingt
eine weitere Gesamtschule, sondern eine qualifizierte Schulform mit Übermittags-Betreuung.
Und das vielleicht am besten in einem Segment, in dem echter Mangel herrscht:
der Realschule.
Die Analyse der Anmeldungen zeigt es, und selbst Lehrer von Gesamtschulen
geben es offen zu: Das Potential, um in vier Gesamtschulen den qualifizierten
Drittelmix zwischen schwächeren,
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mittleren und guten Schülern
hinzukriegen, ist in Solingen gar nicht da. Entsprechend müssen sich
die heute schon vorhandenen Gesamtschulen mühen, um überhaupt
ihre Abitur-Oberstufe zu füllen. Aus "Pisa" die Forderung nach mehr Gesamtschulen abzuleiten, ist ebenfalls
ein Fehlschluss. Denn das bestehende NRW-Gesamtschulsystem hat - um es
vorsichtig zu sagen - nicht gerade zur Verbesserung des insgesamt schlechten Abschneidens der deutschen Schüler beigetragen. Der immer wieder gern herangezogene Vergleich zur finnischen Gesamtschule hinkt völlig,
weil dieses System dort ganz anders ausgerichtet ist.
Obendrein hat SPD-Parteichef Hans-Werner Bertl seiner Partei beim Gesamtschul-Parteitagsbeschluss
einen Bärendienst erwiesen. Sein Ausruf, den Schulbau durch Verzicht
auf Autobahnanschlüsse oder andere Straßenprojekte zu finanzieren,
hat dem Image der Solinger SPD als ewiger Wackelkandidat in existentiellen
Verkehrsfragen wieder kräftig Nahrung gegeben.
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