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Von Anja Schmid
Heidrun Scheffels ist verärgert: Da werde im nordrhein-westfälischen Schulministerium über Islam-Unterricht an Schulen nachgedacht, dabei seien nicht einmal Stunden in katholischer Religion möglich. Ihre Tochter geht in die achte Klasse des Humboldtgymnasiums und hat in diesem jahr keinen Religionsunterricht - zu wenig Lehrer. "Ich billige jedem seinen konfessionsbezogenen Untericht zu, aber es klappt doch jetzt schon nicht", kritisiert Scheffels. Nach einer Strichproben-Untersuchung des Schulministeriums fallen am Gymnasium in den Klassen 5 bis 10 im Durchschnitt 4,2 Prozent des Unterrichts aus. Eine nicht repräsentative Umfrage der Stadtschulpflegschaft hat ergeben, dass an Solinger Gymnasien sogar 11,4 Prozent der Stunden ausfallen.
"Wir haben nicht genügend Lehrer", sagt Marco Voigt, Direktor des Humboldtgymnasiums. Die Bezirksregierung bestätigt die "fachspezifischen Versorgungsprobleme": So fehlten an Gymnasien für Fächer wie Kunst und Religion einfach die Lehrer. Das Humboldtgymnasium verwaltet den Mangel, indem in jeder Jahrgangsstufe an anderen Fächern gekürzt wird. Da die evangelischen Schüler in der achten Klasse in den Konfirmandenunterricht gehen, sei der Wegfall des Religions-
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unterrichts in dieser Jahrgangsstufe am ehesten zu verkraften, erklärt Voigt.
Auch an der Geschwister-Scholl-Schule treffen die Kürzungen gleichmäßig alle Fächer. "Wir haben in der Oberstufe deutlich mehr Schüler als vorgesehen", erklärt der stellvertretende Schulleiter Manfred Wahl. Das Problem: Bei der Stellenverteilung wurden die Schülerzahlen vom Herbst 2002 zugrunde gelegt. Wegen der katastrophalen Lage auf dem Lehrstellen-Markt entschließen sich jedoch viele Schüler nach der mittleren Reife, noch die Oberstufe dranzuhängen.
Der Untersuchung des Schulministeriums zufolge ist der Unterrichtsausfall gerade bei den Grundschulen gestiegen: auf 3,9 Prozent. Die Stadtschulpflegschaft geht davon aus, dass in den Solinger Grundschulen sogar ein Zehntel der Stunden ausfällt. Dort seien jedoch alle Lehrerstellen besetzt, widerspricht Claudia Rehm von der Schulbehörde: "Wenn Unterricht ausfällt, dann wegen Krankheit." In der Grundschule Am Rosenkamp muss Rektorin Heide Blödorn dann meist den Förderunterricht kürzen, der gerade für schwächere Schüler gedacht ist. Für die Grundschulen gibt es zwar einen Vertretungspool mit sechs Stellen, "doch meist sind diese schon vergeben." Fällt Am Rosenkamp eine Lehrerin aus, für die keiner einspringen kann, werden die Schüler auf alle Klassen verteilt: "Wir können sie schließlich nicht einfach nach Hause schicken."
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