Solinger Wochenpost

07.03.00

Die Schullandschaft wird falsch gepflegt

Die Schullandschaft wird
falsch gepflegt

Eltern und Lehrer warnen vor überfüllten Klassen
Ohne entschlossenes Handeln droht 2001 der Kollaps

Volle Klassen bedeuten für Schüler und Lehrer gleichermaßen schlechtere Bedingungen. Kann eine vierte Gesamtschule für Abhilfe schalfen? Lehrer und Eltern meinen ja.

von Friedhelm Funk

Stadt und Land investieren zur Zeit Millionen in Solingens Schulbauten. Die Gymnasien Schwertstraße und Humboldt werden ausgebaut, ebenso die Theodor-Heuss Realschule an der Felder Straße. Dem Vorstand der Stadtschulpflegschaft und der Lehrer gewerkschaft (GEW) reicht das aber nicht aus. "Wenn es in Solingen keine vierte Gesamt schule gibt, wird der erklärte Eltemwille bewusst missachtet."
Michael Seiffert, selbst Leiter der Grundschule Kreuzweg und Vorsitzender der GEW, fügt hinzu: "In diesem Schuljahr ist der Übergang zu den weiterführenden Schulen von Haupt-, Realschule und Gymnasien in Solingen gerade noch einmal gut gegangen." Dafür säßen nun fast durchgängig 31 Kinder in den Klassen. Das sei klar gegen die Gesetze und belaste Schüler wie Lehrer gleichermaßen. Wolfgang Sinkwitz als Vorsitzender aller Solinger Elternpflegschaften hat den Eindruck: "Die Stadt lehnt eine weitere Gesamtschule ab. Offenbar interessiert man sich gar nicht für das Problem."
In den nächsten Jahren, das ist aus den Statistiken heraus zu lesen, werden die Schülerzahlen weiter ansteigen. Sinkwitz: Eine neue Gesamtschule würde übergreifend die Schullandschaft deutlich entzerren. Beide

Gruppen, Eltern wie Lehrer sind sich einig: "Wenn ein Neubau kommt, dann muss er in den Bereich Südstadt, Höhscheid." Die Verwaltung hat die alte Schule Kirschbaums höhe (Schützenstraße), so vermuten unterrichtete Kreise, wohl als "Notnagel" für die kommenden Jahrgänge im Ärmel versteckt.
"Wenn nichts geschieht, wird es im nächsten Jahr in Solingen brennen", prophezeit Schulpfleger Wolfgang Sinkwitz. Eine breite Unterschriftenaktion soll in den nächsten Tagen den Willen von Eltern und Lehrern in dieser Angelegenheit bekräftigen.
Rund 52 Millionen kostet eine neue Schule. Michael Seiffert fordert von Stadt und Land den Beweis nach Bildungspriorität: "Da wird nur geklagt (Wirtschaft) und geredet (Politik), aber eigentlich passiert nichts." Er wolle das im anstehenden Landeswahlkampf aufmerksam beobachten.

Täglich fließe im Land Geld für alle möglichen Dinge, entscheidend sei der Wille wofür. Eltern und Lehrer mäkeln da gemeinsam an der Praxis und fragen: ob es tatsächlich immer richtig sei, alte Schulbauten mit Unsummen zu reparieren, anstatt sie einreißen und durch modere Gebäude zu ersetzen. "Das kostet wahr scheinlich keinen Pfennig mehr", vermutet Schulpfleger Wolfgang Sinkwitz.

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