Solinger Tageblatt

18.02.04

Eltern klagen: Zehn Prozent des Unterrichts fällt aus

Eltern klagen: Zehn Prozent des Unterrichts fällt aus

Kritische Worte bei Versammlung der Stadtschulpflegschaft: Landtagsabgeordnete Silvia Löhrmann stand Rede und Antwort

(pj) "Es muss den Eltern ein Anliegen sein, wenn in Solingen zehn Prozent des Unterrichts ausfallen und acht Prozent vertreten werden", so Wolfgang Sinkwitz, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft, während der Mitgliedervollversammlung in der Friedrich-Albert-Lange-Schule. Hochgerechnet seien das 2700 Fehlstunden die Woche, von denen 2100 vertreten würden. (*)

Zwischen diesen alarmierenden Zahlen und den Statistiken des Ministeriums klafft eine Lücke, die Fragen aufwirft. Die kommunale Realität verlangt Abhilfe. Deshalb lud Sinkwitz Silvia Löhrmann (Grüne) aus dem Landtag ein, damit sie sich vor Ort im Gespräch mit kompetenten Elternvertretern ein Bild

machen konnte. Löhrmann und Sinkwitz sind, was Unterrichtsausfall angeht, einig: Ein Aufschwung aus dem durch die Pisa-Studie diagnostizierten Bildungstief sei nur möglich, "wenn vor der Kür ein Pflichtteil absolviert werde." "Das Problem ist vielfach", so Löhrmann, "dass ein Stellenplan, der für die Politik aufgeht, durch lange Umsetzungswege vom Ministerium bis in die Schulen dann nicht mehr stimmt." Was diese Ressourcennutzung angeht, fordert Löhrmann mehr Flexibilität und Dezentralisierung, also mehr Selbststeuerung in den Schulen. "Da muss umgedacht werden", betont sie, und hat auch eine Modell-Idee parat. Man könne Regionen abstecken, etwa Solingen und Remscheid, denen als "Bildungs-Pool" ein gewisses Budget

an Geld oder Lehrern bereitgestellt würde, dass diese selbst auf die Schulen verteilen - ohne lange Verwaltungswege. Frischer Wind sei in unserem "zu sehr versäulten und mit Angst besetzten System" nötig.

Mehr Demokratie in Schulen würde in positiver Weise zur Entlastung der Lehrkräfte beitragen. Zur Bekämpfung des Schreckgespensts "Unterrichtsausfall" müssten aber alle Schulformen an einem Strang ziehen - ohne Standesdünkel.

(*) Tatsächlich werden nicht 2100 von 2700 Stunden vertreten, sondern addieren sich hinzu, sodass insgesamt ca. 4800 Unterrichtsstunden pro Woche nicht regulär erteilt werden (W.S.)

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