Stadtschulpflegschaft
Solingen
- Der
runde
Tisch
e. V.
Solingen, den 24.02.2002
Stellungnahme
zum Entwurf
Schulentwicklungsplan
2000 +
Vorwort
Die äußerst hohen Anmeldezahlen an den
drei Solinger Gesamtschulen im Februar 2002 stellen die Frage, ob eine
seit langem von Eltern und Lehrergewerkschaft GEW geforderte 4. Gesamtschule
für Solingen notwendig ist. Mittlerweile kann man boshafterweise schon
nach dem Elternwunsch einer 5. Gesamtschule sprechen. Die im vorliegenden
Entwurf des SEP prognostizierten Zahlen für die weiterführenden
Schulen sind angesichts dieser Situation nicht schlüssig. Der Berg
von Anmeldungen der 4.-Klässler zur Sekundarstufe I ist noch nicht
überschritten, im Gegenteil wird die jetzt einzuschulende geringere
Zahl von 1.-Klässlern erst in vier Jahren den erwünschten Abschwung
bei den Anmeldungen zu den weiterführenden Schulen lt. Prognose bringen.
Mindestens die nächsten drei Jahre wird aber noch mit steigenden Übergängen
zur SEK I zu rechnen sein und es wird nicht genügend Schulraum in
der SEK I zur Verfügung stehen, um alle Schüler aufzunehmen –
auch nicht, wenn aktuelle Schulerweiterungsbauten mit einbezogen werden.
Schulraum SEK I
540 Anmeldungen an den Gesamtschulen sind möglich,
mehr können nicht aufgenommen werden. In 2002 müssen 316 Schüler
abgelehnt werden, dies entspricht 10 Schulklassen und ist somit die bisher
größte Ablehnungsquote. Diese hohe Zahl von Ablehnungen überrascht
selbst die Stadtschulpflegschaft.
Empfehlung an Politik und Verwaltung:
-
Es werden aktuelle Zahlen benötigt, aus welchen
Grundschulen sich welche Schüler an welchen weiterführenden Schulen
anmelden und angenommen werden
-
Es werden aktuelle Zahlen benötigt, die eine
Aussage darüber zulassen, von welchen Grundschulen die Schüler
kamen, die nach der Erprobungsstufe Klasse 6 die gewählte Schulform
je Schule mangels Leistungen verlassen müssen
-
Eine detaillierte Befragung der Eltern hinsichtlich
der Entscheidungskriterien, die zur Anmeldung der Kinder an der Gesamtschule
führen, ist notwendig
-
Es werden aktuelle Zahlen benötigt, die einen
Vergleich zwischen empfohlener Schulform und gewählter Schulform zulassen
-
Es werden ernsthafte Aussagen darüber benötigt,
welcher Qualität die Grundschulgutachten sind und welchen Stellenwert
Eltern den Grundschulgutachten beimessen
-
Es ist zu hinterfragen, ob und - falls bejahend -
aus welchen Gründen Eltern dem 3-gliedrigen Schulsystem in Anbetracht
der speziellen Schulsituation misstrauen
-
Eine weiterführende Schule in Solingen ist zusätzlich
notwendig. Es muss schnellstmöglich ensthaft geklärt werden,
ob dies eine 4. Gesamtschule oder aber eine Realschule in Ganztagsform
sein soll. Nur so kann sich auf lange Sicht das Anmeldeverhalten der Eltern
normalisieren.
-
Grundsätzlich spricht sich die Stadtschulpflegschaft
gegen eine mittelfristige Schließung der Hauptschule Mangenberg aus.
Hier sollten auch alternative Möglichkeiten bis hin zur teilweisen
Nutzung durch andere Schulformen (Grundschule Stübchen, Real- oder
Gesamtschule) diskutiert werden
Schulraum Grundschule
Empfehlung an Politik und Verwaltung:
-
Aufhebung der Schulbezirksgrenzen
-
Profilbildung an den Grundschulen verstärken,
hier u.a.
-
- Montessorischwerpunkt in Ohligs oder Wald auch
um die Kirschbaumshöhe zu entlasten
-
- Schule mit Schwerpunkt Begabtenförderung etablieren
-
- Vernetzung mit der jeweiligen Schulumwelt verstärken
-
Nach mehr Möglichkeiten des differenzierten
Unterrichts an Grundschulen suchen
-
Klassenfrequenzrichtwerte deutlich senken
-
Keine Schließung von Schulraum
-
Lehrerfortbildung zur Pflicht erheben
Schulraumbestand
Es ist für Politik und Verwaltung dringend erforderlich,
Rücklagen für Instandsetzungsarbeiten in erheblichem Umfang nicht
nur an den teils in mangelhaftem Zustand befindlichen Schulgebäuden
zu bilden. Weiterer Renovierungsaufschub wird zu zukünftig noch höheren
Kosten führen. In diesem Zusammenhang ist stets zu überlegen,
ob die Alternative Abriss und Neubau statt Sanierung nicht letztlich längerfristig
gesehen kostengünstiger wirkt.
Prognosen und zukünftiger
Raumbedarf
Grundschulen
Die Abnahme der Schülerzahlen wird nur langsam
erfolgen. Bei gleichen Klassenfrequenzrichtwerten werden voraussichtlich
in 3 Jahren sinkende Klassenbildungen möglich sein. Allerdings sollten
im Sinne von PISA Anstrengungen unternommen werden, die Richtwerte an den
Grundschulen spürbar zu senken.
Hauptschulen
Hauptschulplätze sind leicht rückläufig
und werden voraussichtlich zukünftig nicht mehr in vollem Umfang benötigt.
Allerdings ist zu überlegen, frei werdenden Schulraum anderen Schulformen
zur Verfügung zu stellen. Insbesondere die drohende Schließung
der HS Mangenberg lässt außer acht, dass diese Hauptschule vor
allem eine besondere pädagogische Aufgabe in Solingen hat. Das Zahlenmaterial
deutet darauf hin, dass die HS Mangenberg einen wichtigen Ort für
Schulwechsler bildet. Aber solch ein „Ort“ zu sein, ist ein bestimmtes
Schulprofil. Dieses Profil sollte verstärkt ausgebaut und sichtbar
gemacht werden auch mit speziellen Zusatzangeboten, die dem Klientel gerecht
werden.
Realschulen
Die Realschulplätze werden zukünftig bedingt
durch eine steigende Nachfrage nicht ausreichen, den Bedarf zu decken.
In einer Situation, wo aktuell mangels Schulraum 316 Schüler an den
Gesamtschulen abgewiesen werden, kann nicht auch noch die Realschule Schüler
abweisen. Wo sollen diese Schüler denn hin, zum Gymnasium oder zur
Hauptschule? Hier besteht dringender Handlungsbedarf.
Gymnasien
Durch zwei Erweiterungs-Neubaumaßnahmen an
Solinger Gymnasien scheint auf den ersten Blick kein weiterer Schulraum
notwendig zu sein. Allerdings weist die Stadtschulpflegschaft darauf hin,
dass diese Erweiterungsbauten nur dem Erhalt des status quo dienen, also
den Schulen keine zusätzlichen Möglichkeiten bieten, jedoch Fachräume
wieder ihrer eigenen Funktion zugänglich machen. Es ist hier insbesondere
zu klären, welche Gymnasien welche Einzugsbereiche an Schülern
haben.
Qualitative Schulentwicklungsplanung
Der vorliegende Entwurf des SEP muss durch den qualitativen
Aspekt ergänzt werden. Hierzu müssen für alle Schulen entsprechende
schriftlich formulierte Schulprofile vorliegen, die sich nicht nur auf
Veranstaltungshinweise, sondern auf mittel- bis langfristige pädagogische
Aspekte beziehen, welche die einzelne Schule als „einmalig“ in der Solinger
Schullandschaft erscheinen lässt. Hierzu sind auch umfassende Beratungen
einzelner Schulen notwendig. Die Sammlung, Aufarbeitung und Dokumentation
dieser Arbeit kann im aktuellen Stadium nicht von einer halben Stelle geleistet
werden. Deshalb empfiehlt die Stadtschulpflegschaft, diesen Bereich zumindest
bis zur Fertigstellung mit einer ganzen Stelle zu besetzen.
Schulentwicklungsplan Sonderschulen
Ein SEP speziell für die Sonderschulen in Solingen
ist zügig zu realisieren.
Schulentwicklungsplan Berufskollegs
Ein SEP speziell für die Berufskollegs in Solingen
ist in Zusammenarbeit mit der Stadt Remscheid und der IHK zügig zu
realisieren. Hierbei sollte mit dem qualitiven Aspekt begonnen werden.
(Wolfgang Sinkwitz)
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