HomeStadtschulpflegschaft Solingen - Der runde Tisch e. V.


Solingen, den 05.12.2001
Pressemitteilung

PISA – voll krass

Ende der 90er Jahre attestierte die TIMMS-Studie bereits den deutschen Schülerinnen und Schülern einen schlechten Platz im internationalen Rankung der Kenntnisse in Mathematik und Naturwissenschaften.

Seitdem wird wieder über Leistung an Schulen geredet – geredet, aber zu wenig gehandelt. Vergleichsarbeiten werden an weiterführenden Schulen durchgeführt, Prüfungs- und Versetzungsbestimmungen werden u. a. verschärft, um das Problem der schlechten Schulleistungen in den Griff zu bekommen.

Die Lehrerverbände reagieren, als müssten sie ihre Pfründe verteidigen. An der TIMMS-Studie – die offensichtlich Mängel im deutschen Schulsystem darlegt, ließen sie schon kein gutes Haar. Zur Nachfolgestudie PISA – die wohl noch augenscheinlicher die Mängel darlegt, werden sie sich eine wohl durchdachte Argumentation einfallen lassen müssen. Obwohl noch niemand die Lehrerinnen und Lehrer bisher für dieses Desaster verantwortlich gemacht hat, prescht der Philologenverband nach vorne und warnt – Schelte erwartend - vor „einseitigen Schuldzuweisungen“.

Kultusministerinnen sowie die Bundesbildungsministerin tauschen öffentlich Tipps untereinander aus, wie das Problem denn zu lösen sei. Sofortprogramme müssen her – und da fällt unseren Kultusministerinnen nichts besseres ein, als das frühe Lernen und die Sprachkompetenz schon im Kindergarten zu vermitteln. Gabriele Behler fordert natürlich den Ausbau schulischer Ganztagsangebote – auch Ganztagsschulen können langweilig sein. Jetzt treten wieder diejenigen auf den Plan, die eine stärkere Didaktik und Erziehungswissenschaft im Lehrerstudium fordern, Lehrer sollen zur lebenslangen Weiterbildung verpflichtet werden, etc. - Worthülsen, die die Öffentlichkeit glauben machen soll, das Problem wäre erkannt und die Lösung gefunden.

Und während in Talkshows das Problem von allen Seiten erneut und wieder beleuchtet wird, während in Zeiten von Wahlkämpfen Bildung wieder im Munde aller Parteien ist und während seitens der Wirtschaft wieder beklagt wird, welche Kenntnisse deutsche Schulabgänger vorweisen, produzieren die einzelnen Schulsysteme weiterhin einen international vergleichsweise miesen Output. Während an Projekt- und Arbeitsgruppen Aufträge erteilt werden, die Problematik zu benennen und Lösungsansätze zu liefern, während Unternehmensberatungen erneut öffentliche Aufträge erhalten werden, um erneut zu attestieren, was sowieso allen bekannt ist, fällt z. B. in einer hiesigen Realschule in der 10. Klasse mangels ausreichender Lehrer seit zwei Monaten der Deutschunterricht aus. Wie sollen denn Schüler lernen, Texte zu verstehen und zu reflektieren, mit fremden Texten qualifiziert zu arbeiten, wenn ihnen niemand zeigt, wie das geht?

Fragt man bei unserer Schulministerin nach Lösungsmöglichkeiten für Unterrichtsausfall, bekommen betroffene Eltern doch tatsächlich die Antwort, da müsse man sich an den Schulleiter wenden. Da werden ausgefallende Fachstunden kaschiert durch den Einsatz von Vertretungslehrern, die während der Schulstunden als Aufsicht ihre Klassenarbeiten korrigieren. Da beschimpft unsere Schulministerin die Lehrerschaft, sie könne keine vernünftigen Vertretungspläne erstellen, etc. Viele Beispiele dieser Art könnten hier noch angefügt werden. Was passiert eigentlich hinter den verschlossenen Türen der Klassenzimmer, fragen Eltern wohl mittlerweile angesichts der Ergebnisse aus der PISA-Studie zu Recht!!

Was muss dringendst vor Ort geschehen?

Bildung muss grundsätzlich in unserer Stadt eine höhere Priorität erhalten und zur Chefsache erklärt werden. Hierzu gehört aktuell der Erhalt eines eigenständigen Dezernats für Schule und Kultur, welches auch mit weitgehenden Kompetenzen ausgestattet sein muss. Landeszuweisungen an Schulen müssen selbstverständlich auch den Schulen zugute kommen. Zur Zeit wird der zukünftige Schulentwicklungsplan diskutiert. Hierbei darf es nicht unter dem Diktat des Rotstiftes zu Schulschließungen kommen. Mehr Ganztagsschulen müssen errichtet werden, mehr Geld muss in Bildung fließen, eine Qualitätsoffensive mit klaren Zielvorgaben  - keine Laberrunde - für bessere Schulen muss mit allen an Schulleben Beteiligten durchgeführt werden. Hierbei ist eine ideologiefreie Bestandsaufnahme – ohne Parteiinteressen - des aktuellen Zustands notwendig. Kleinere Klassen müssen geschaffen werden. Unterrichtsausfall muss mit neuen flexibleren Lehrereinstellungen begegnet werden – und zwar jetzt.


 home