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Solingen, den 09.01.2002
Pressemitteilung

Ente soll mit Porschemotor laufen

"Soll eine ´Ente´ jetzt mit einem Porschemotor versuchen zu laufen?", fragt sich die Stadtschulpflegschaft Solingen angesichts der vorgeschlagenen Maßnahmen für eine Bildungsreform aus dem Hause des Ministerpräsidenten Wolfgang Clement. Im einzelnen kritisiert der Vorsitzende Wolfgang Sinkwitz, dass es die Einschulung mit 5 Jahren doch bereits gebe, falls die individuellen Voraussetzungen des Schülers dies zuließen. Doch dies für alle 5jährigen Schüler zu fordern, könne im Umkehrschluss nicht bedeuten, dass ein Abitur nach 12 Jahren zu haben sei, denn in der 1. Klasse müsse dann erst einmal verstärkter als bisher nur das Lernen und bestimmte Verhaltensregeln trainiert werden. Dafür müssten zunächst die Klassenfrequenzrichtwerte deutlich nach unten korrigiert werden. Ganz abgesehen von den zusätzlich benötigten Räumlichkeiten, die dann zur Verfügung stehen müssten.

Leistung den Kindern schon im Kindergarten abzuverlangen musss lt. Sinkwitz gekoppelt werden an eine neue Ausbildungsordnung für Kindergärtner/-innen. Wird Kindergarten dann zur Pflicht? Das gehe nicht von heute auf morgen. Im übrigen werde dies viel Geld kosten, was die Landesregierung nicht bereit sein wird, zu investieren

"Schon lange gilt für besonders leistungsstarke Schüler, dass sie eine Klasse überspringen können", so Sinkwitz. Abitur nach 12 Jahren im Klassenverbund werde in NRW bereits bei ganz wenigen Schulen versucht, da das Interesse sehr gering sei. Abitur mit 17 Jahren heiße effektiv ein Jahr weniger zum Lernen. Neben dem ganzen Unterrichtsausfall, der sowieso generell in jeder Schule vorhanden und gegen den anscheinend auch kein Kraut gewachsen sei, bedeute dies unter dem Strich noch viel weniger Zeit zum Lernen. "Und damit sollen wir im internationalen Maßstab weiter nach vorne kommen?", fragt er sich.

Der Vorschlag aus dem Ministerium, die Entscheidung für eine weiterführende Schule erst nach 9 Schuljahren zu treffen, hindere viele Schüler daran, ihren Leistungen entsprechend frühzeitig gefördert zu werden. Dies bedeute auch für die Lehrer, in den 9 Schuljahren einen stark differenzierten Unterricht durchführen zu müssen, der aber nicht durchzuhalten sei und insofern eher das Gesamtniveau der Klasse drücke. Im übrigen dauere eine generelle Umstellung des jetzigen Schulsystems ca. 9 Jahre

Da der Versorgungsgrad der verlässlichen Halbtagsschule in Solingen bei fast 100% liege und an manchen Schulen sogar mehrere Gruppen existierten, sei eine flächendeckende Ganztagsbetreuung in Solingen ja fast realisiert - die Schule von 8 bis 1, die ja teilweise auf Wunsch der Eltern schon bis nach 14.00 Uhr dauere. Es sei zu klären, ob eine flächendeckende Betreuung bis ca. 16.00 Uhr von Eltern gewünscht werde. "Dann darf diese Betreuung aber nicht mehr durch Elternbeiträge finanziert werden".

"Sofern nicht deutlich mehr Geld und Initiativen kurzfristig in unser Bildungssystem fließen und soweit nicht tatsächlich durch unsere Lehrer zusammen mit den Eltern verstärkt Werte-Erziehung sowohl zu Hause wie an unseren Schulen durchgeführt wird, wird sich auch kaum etwas ändern – auch wenn Bildung jetzt anscheinend zur Chefsache erklärt wird", so der Vorsitzende. 


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